Mittwoch, 29. November 2017

Neuer Song: Wir gehör'n zusammen

Knapp, aber noch in der Zeit nehme ich meinen Anzug vom Kleiderbügel. Hab' ihn zwar eine Weile nicht getragen, aber nachdem ich im September drei Mal joggen war müsste das schon hinhauen. ...

Ich hätte ja damit leben können wenn ich ganz tief hätte einatmen müssen, aber dass mich gleich mehrere Konfektionsgrößen von der Umsetzung meines Vorhabens trennen würden hatte ich nicht erwartet. 

Ein kurzer Blick auf die Uhr versetzt mich in leichte Panik und nachdem ich schnell ein alternatives Outfit gebügelt habe setze ich mich mit einiger Verspätung in den Wagen. - So verwundern mich auch nicht die leicht angesäuerten Blicke des Pastors, der vor der Kirche stehend raunzt, nun, wo der Trauzeuge es auch geschafft habe, könne man ja mit der Hochzeit beginnen... Ich schreite von der Orgel und vielen Blicken begleitet, 40 Meter zu einer der vorderen Bänke, in der ich Schutz suche als das Brautpaar die Kirche betritt.

Bernd und Steffi ... In all den Jahren, die ich Bernd kenne und in denen wir auf der Bühne ständig Scherze über das Verhältnis zwischen Männern und Frauen sowie die Ehe als Institution gemacht haben, hat er immer an die eine große Liebe geglaubt, an die eine Beziehung, die ein Leben überdauert. - Und oft haben wir abends zusammen gesessen und über das Leben philosophiert. Darüber, was die Zukunft noch so für uns erwartet. Und als ich ihn einmal fragte, wie er sich seine Traumfrau vorstellt, sagte er:

„Hübsch.“
„Das wollen wir alle, Bernd.“
„Und intelligent.“
„Hübsch und intelligent – das spricht sehr für dich. Aber als dezenter Hinweis - unter den Frauen, die hübsch und intelligent sind, dürfte der Anteil der Singles sehr klein sein.“
„Und warmherzig.“
„Hübsch, intelligent, ein Herz wie ein Bergwerk und allein. Dir ist schon klar, dass wir hier über die Spitze der Pyramide reden. Da wird die Luft dünn.“
„Und Musikerin.“
„Bernd …“
„… nein, Hausmusik ist mir wichtig. Ich will mit ihr musizieren können.“
„Hübsch, intelligent, warmherzig, allein, Musikerin – das ist jetzt nicht mehr die Eine unter einer Million. Wir kommen hier in ganz andere Skalen. Ich sage das nur wegen der Erwartungshaltung.“
„Und sie muss Mundart sprechen.“
„Ach komm, gib dem Leben eine Chance ...“

Und dann kam Steffi. Und es war schön zu sehen wie die beiden - wie perfekte Puzzlesteine - jeweils das Lebensbild des Anderen vervollständigten.

Und so stehen wir jetzt hier in der Kirche. Für uns Männer ein trauriger Tag, da nun eine weitere kluge Schönheit in feste Hände vergeben wird. Für die Damenwelt zieht der heutige Tag zum Glück ohne größere Folgen vorbei ... Ich sehe mich um und mir fällt auf wie viele Paare sich während der Zeremonie verliebt anschauen, als wollten sie ihr Ehegelübde ein weiteres Mal mit einem stillen Lächeln erneuern. Ob sie wissen, dass sie gerade in das Gesicht der Person schauen, die sie -  jetzt aus kriminologischer Sicht, also rein statistisch – am wahrscheinlichsten umbringen wird? Ja, es gibt viele Gründe in der Ehe zueinander nett zu sein und sich auf Händen zu tragen ... 

Dem Anlass geschuldet habe ich mich mit Waltraud - Bernds Schwester - zusammen gesetzt und für das Hochzeitspaar ein Lied geschrieben.



Wir gehör'n zusammen
(Text: Guido Vincent von Weber, Musik: Waltraud Weber)

Gib mir deine Hand, ich will mich fallen lassen. Deine Zauberhand, ich kann mein Glück selbst noch nicht fassen. Du bist für mich das größte Glück. Du gibst mir den Blick für die schönen Dinge zurück. 

Wir gehör'n zusammen weil du mich verstehst selbst wenn ich spinn'. Wir gehör'n zusammen weil du mich schätzt für das, was ich bin. Wir gehör'n zusammen weil du mich stützt so wie ich dich. Wir gehör'n zusammen weil wir reden könn', mal ernst und auch mal nich'.

Gib mir deine Hand, ich will mich fallen lassen. Deine Zauberhand, ich kann mein Glück selbst noch nicht fassen. Du bist für mich das größte Glück. Du gibst mir den Blick für die schönen Dinge zurück.

Wir gehör'n zusammen weil du singst selbst wenn du schweigst. Wir gehör'n zusammen weil auch du nicht zum Hochdeutsch neigst. Wir gehör'n zusammen weil Zeit durch dich einen Sinn erhält. Wir gehör'n zusammen weil du die Antwort bist auf jede Frage, die sich mir stellt.

Lass uns tanzen, lass uns lachen, diskutieren und Unsinn machen. Wir sind füreinander da, ab jetzt!

Gib mir deine Hand, ich will mich fallen lassen. Deine Zauberhand, ich kann mein Glück selbst noch nicht fassen. Du bist für mich das größte Glück. Du gibst mir den Blick für die schönen Dinge zurück.

Wir gehör'n zusammen, sind für die Zukunft abfahrbereit. Wir gehör'n zusammen. Wir geh'n denselben Weg, ab jetzt für alle Zeit.

Sonntag, 1. Oktober 2017

Neuer Song: Tanz der Nacht

Es gibt diese versteckten Juwelen ... Tief in einem Karton vergraben liegt die CD, selbst gebrannt und voller Aufnahmen, auf denen zwei junge Stimmen zu hören sind, die gegen die Lautstärke eines ungestüm bespielten Klaviers ankämpfen.

Ab und an, hört man die Nachbarin an die Wand klopfen. Selten im Rhythmus. Aus musikalischer Sicht sehr schade, da sie einen sehr schönen tiefen, weichen Klang erzeugt. Rückwirkend muss ich eingestehen, dass sie ausgesprochen deutlich und ausdauernd versucht hat, mit uns Kontakt aufzunehmen. Selbst durch den Umstand, dass  wir sie auch nach Jahren nicht hinzu gebeten haben, hat sie sich nicht entmutigen lassen. Das hat man selten ... also mit etwas mehr percussivem Talent ... Aber da waren wir etwas unsensibel muss ich jetzt gestehen. Wir hätten sie einmal schon allein aus Höflichkeit zu einem Vorspielen einladen sollen.


Lied für Lied höre ich mir an, das Lachen - "Lass' mich mal an's Klavier" "Nein, nein, ich hab' da noch eine Idee" "Ich auch!" - endlose Albereien und dann entdecke ich den bereits vergessenen "Tanz der Nacht" - dort noch auf Französisch "La danse de nuit". Einen poetischen, romantischen Text mit einer wundervollen Melodie auf einem zarten Rumba. Ich schließe die Augen und spüre wie mich das Lied hinweg trägt.

Auf Französisch reimt sich der Text, was ein schwacher Trost ist wenn man ihn dann auf Deutsch vorgesungen bekommt ... Ich freue mich schon sehr darauf, dieses Lied zu singen.

Tanz der Nacht
(Text: Alessandro Weber & Guido Vincent von Weber, Musik: Alessandro Weber)

Der Tag heut' war lang und ich bräuchte etwas Schlaf, doch in dieser Nacht komm' ich einfach nicht zur Ruh'. Das Ticken der Uhr gleich neben meinem Ohr. Leise pfeift der Wind durch die Straße und Regentropfen prasseln an mein Fenster. Ein Wagen fährt leis' vorbei. 


Ich schließ' die Augen und - Stück für Stück - alles was ich höre wird zum Rhythmus auf den ich tanz'. Die ganze Nacht, - Schritt für Schritt - der Musik nach - Takt für Takt - bis der Morgen erwacht.

Du drehst deinen Kopf im Schlaf langsam zu mir hin und ich hör' deinen Atem ganz nah an meinem Ohr. Ich folge dem Klang und folg' dir in deinen Traum. Ich höre deine Gedanken ganz tief in mir und tanze mit dir durch die Nacht. 

Ich schließ' die Augen und - Stück für Stück -  alles was ich höre wird zum Rhythmus auf den ich tanz'. Die ganze Nacht, - Schritt für Schritt - der Musik nach - Takt für Takt - bis der Morgen erwacht.
 

Mittwoch, 17. Mai 2017

Neuer Song: Nackert am See

Unerwartet stehen wir uns im Lustspielhaus plötzlich gegenüber. Seit er vor Jahren nach Frankfurt gezogen ist haben wir uns nicht mehr gesehen. Um so schöner ist es, wieder in dieses verschmitzte Lächeln zu blicken. Lachend erzählt er von seinen Erlebnissen auf den Lesereisen zu seinem Buch Ich bin der neue Hilmer und trauriger als Townes, in dem er seiner Leidenschaft für texanische Countrymusik freien Lauf lässt. Und wie ich ihm zuhöre, kann ich ihn mir in Hessen gar nicht vorstellen. Bestenfalls als Gesandter der zweiten Lautverschiebung, um phonetische Entwicklungsarbeit zu leisten. Dann beendet der Pausengong unser Gespräch. Wieder zu Hause ziehe ich sein Buch Bayrische Songtexte heraus und verliere mich darin. Es ist Zeit, einen zu vertonen. Und so setze ich mich an den Flügel während er den Text, der Liedstruktur geschuldet, etwas ergänzt.

Nackert am See
(Text: Willi Ehms, Musik: Guido Vincent von Weber)

De Nacht is so schee und de Luft is so gladn. Fahr ma ausse an See, geh ma nackat badn?

War's scho amoi so wia heit? Des Wasser wia ra Magnet. Host di amoi scho so gfreit? Spürst du wos heit no geht?

I kanns net dawartn fast, dass endlich alles basst: Freiheitsgfui pur! I mecht di gern küssen, g'spian und berian, oafach bei dir sei.

A Flascherl pack ei. Kas und Oliven hamma a. A Decken und dann glangts - gehma, gehma schwimma.

De Luft is so gladn und de Nacht is so schee. Kumm, loss uns geh, nackat badn draussen am See.

Staffel-, Kochel-, Riag- oder Walchnsee, mir gleich! Du kannst as entscheidn. Weil wenn mir erscht dort san werd de Welt explodiern, s'Glück eskaliern und ewig so bleibn.

D'Stern leichtn so wunderschee, da Mond schimmert übern See, Freiheitsgfui pur! I mecht di gern küssen, g'spian und berian, oafach bei dir sei.

Samstag, 6. Mai 2017

Susanne Schiffner neuer Alt

Susanne Schiffner - ein Paket gute Laune, bitte ...

Mit Freunden sitze ich in der Drehleier und warte darauf, dass die Show beginnt. Im Hintergrund spielen sie gängige Chartmusik als ich angestupst werde. "Hör mal ..." dann bemerke ich es auch - es läuft unser "I g'hör do hie". Auch wenn es jetzt eitel klingt - aber das hat sich richtig gut angefühlt.

Die letzten Wochen waren insgesamt sehr spannend. Wir haben mit "Männer in den besten Jahren" und "Mach' das Herz weit auf" zwei Videos von unserem Auftritt in der Residenz veröffentlicht und sind von den Reaktionen überwältigt. Obwohl die Texte auf Deutsch sind, haben wir Zuschriften aus der ganzen Welt bekommen. Darunter auch Musiker, deren CDs ich im Regal stehen habe wie die Höhner oder die Real Group, mit der wir diesen Sommer nun sogar ein Treffen vereinbart haben.

Jetzt gibt es ja leider keine Höhen ohne Tiefen und so teilt uns Pauline zu diesem Zeitpunkt mit, dass sie - von der Notwendigkeit getrieben, mit der Musik ihren Lebensunterhalt zu bestreiten - ein ausgesprochen lukratives Angebot annehmen wird. Von den niederen Beweggründen ihrer Entscheidung erschüttert, freuen wir uns natürlich für sie und beginnen, in unseren Netzwerken zu rütteln, um die baldige Lücke möglichst rasch zu schließen. Wir fragen nach Empfehlungen, schreiben potenzielle Kandidatinnen an und laden sie zum Vorsingen ein bis sich die Eine heraus kristallisiert, die in Zukunft mit uns auf der Bühne stehen soll - Susanne Schiffner.

Strahlend steht sie beim Vorsingen im Probenraum zwischen uns und klinkt sich in die Klänge ein, als sänge sie schon ewig mit uns. Ich sehe das Lächeln auf den Gesichtern der Anderen und weiß, dass wir es besser gar nicht hätten treffen können. Dann erzähle ich etwas zu Alpenlounge und merke zum Thema Mundart an, dass wir einige Lieder auf bayerisch singen sowie ein Lied auf kölsch.

"Welches denn?"
"Dat Wasser vun Kölle."
"Dat es jot."
"Wo kommst Du eigentlich ursprünglich her?"
"Aus dem Bergischen Land bei Köln."

Was soll ich dazu sagen? Et hätt noch immer jot jejange.

Samstag, 18. März 2017

Konzert im Gourmet-Tempel am Tegernsee


Ich weiß nicht wie lange wir uns schon wünschen einmal am Tegernsee zu singen. Nun ist es endlich so weit. Der Feichtner Hof, von zahlreichen Gourmet-Führern ausgezeichnet, lädt uns in seinen Gewölbesaal ein. Als wir - lange vor dem Einlaß - eintreffen, lassen es sich bereits 50-60 bestens gelaunte Gäste im Saal gut gehen. Zum Konzertbeginn ist der Raum dann bis an seine Grenzen besetzt.


Thomas Thielemann, Münchens Bio-Kochikone kommt immer wieder rein, um zuzuhören und stellt später "Marie-Luise" online, unser Lied über Fertiggerichte. Für einen Koch, dessen Können von Gault & Milleau mit 16 von 20 möglichen Punkten ausgezeichnet wurde ... ich sage es mal so. Da sieht man wieviel Größe durch Kleinkunst sichtbar werden kann.
"Bis zum nächsten Mal" verspreche ich "werden wir ein Tegernsee-Lied in unserem Repertoire haben" und so setze ich mich nach dem Konzert noch in der Nacht hin ...

"Grüß Gott, Tegernsee Grüß Gott,
Paradies am Fuße der Alpen.
In Bad Wiessee ging ich fast mal bankrott.
Was mir blieb, lohnt sich kaum zu verwalten."

Nein, ich sollte mehr die Natur in den Mittelpunkt stellen ...

"Tegernsee - wenn ich diesen See seh' brauch ich kein Meer mehr."

Ich lese mir das drei mal durch und komme zu dem Schluss, es sei an der Zeit, jetzt meinen Körper ins Bett zu schicken nachdem mein Geist sich offensichtlich bereits vor einer Weile verabschiedet hat.

Montag, 6. Februar 2017

Geburtstag in der Residenz

Meine Schritte knirschen im Schnee während ich auf die Residenz zugehe. Die anderen sind schon dort und ich höre bereits von weitem ihr Lachen im Torbogen. Früher hätte Bernd vor dem Auftritt noch eine geraucht. Jetzt hält er Steffi im Arm. Im Oktober haben sie geheiratet. Ein kleines Töchterchen ist auch schon da. Unser erstes Alpenlounge-Baby. Heißt natürlich auch "Weber". - Diese Woche wies mich ein Alpenlounge-Fan per Mail darauf hin, dass wir auf den Internetseiten einen Fehler hätten. Da wären zwei, die nicht Weber hießen. Ich liebe es.

Wir gehen gleich rein und werden sofort in unseren Einsingraum geführt. Unter uns sind wir nicht lange, dann betritt ihn das Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks. Um präzise zu sein, ist es nur der weibliche Teil. Sie benötigen den Raum, um sich umzuziehen. Und so untermalen wir das Geschehen musikalisch und geben vor geneigtem Fachpublikum einen kleinen Privatauftritt ...

Dann geht es in den Max-Joseph-Saal. Der Auftritt macht einmal mehr riesigen Spaß. Es sitzt alles und man sieht dem Publikum an wie sehr es die Musik genießt - die ruhigen Stücke, wie auch die unterhaltsamen. Es ist schön zu erleben, wie man Menschen mit Kunst eine Freude bereiten kann und viel zu schnell ist auch dieser Abend wieder zu Ende.

Meine Schritte knirschen im Schnee während ich mich von der Residenz entferne. Die anderen erzählen noch etwas und ich höre noch von weitem ihr Lachen im Torbogen. Früher hätte Bernd nach dem Auftritt noch eine geraucht. Jetzt hält er Steffi im Arm ...

Samstag, 28. Januar 2017

Allotria und Galgenbrüder

Wenn wir auf einem Geburtstag auftreten sind wir in aller Regel der musikalische Akzent des Abends. Heute wird das anders. Wir eröffnen den runden Geburtstag eines Musikers, gefolgt von weiteren "unvermeidbaren Beiträgen", wie er es im Vorfeld formulierte.

Die Festspielleitung des Abends liegt fest in der Hand seiner Frau und es folgt ein Rausch an Darbietungen, der bis in die Morgenstunden anhält. - Bei einem guten Tropfen Nero d'Avola lehne ich mich entspannt zurück und folge aufmerksam den Beiträgen. Es wird überwiegend Klassik vorgetragen - vor allem Brahms - und ich bekomme Gänsehaut als mir auffällt wie viele Lippen sich stumm bewegen und still mitsingen.

Später folgen Couplets und plötzlich fordert eine junge Dame das Geburtstagskind zum Tango auf. Ein Pianist spielt beherzt zum Tanz auf und wie man die zwei im Hintergrund tanzen sieht, stellt sich ein Herr neben das Klavier und besingt sehr humorvoll die Tanzkunst des Gastgebers. Große Kunst, perfekt inszeniert und an Komik kaum zu überbieten.

Und schließlich treten die Sixtonics auf. Vor einem Jahr hat sich das Ensemble aufgelöst. Für diesen einen Abend sind sie wieder zusammen gekommen, umrahmen den Gastgeber und lassen die Comedian Harmonists noch ein letztes Mal aufleben.

Genau so, denke ich mir, muss es gewesen sein. Damals als sich in München die Allotria traf. Oder als in Berlin die Galgenbrüder zusammen saßen. - Alle machen mit. Und man spürt die Freude an der Kunst, den entspannten Genuss am ernsthaften Vortrag und den Spaß am Unsinn.

Was für ein unglaublich schöner Abend.